Stern fahren ohne Mercedes

Am 14. September sollen Tausende Radfahrer*innen aus Mittelhessen in einer Sternfahrt vor die Tore der IAA fahren um ein Zeichen zu setzen gegen eine betrügerische und rückwärtsgewandten Automobilindustrie.

Die sieben Hauptrouten der Sternfahrt starten in Mainz, Wiesbaden, Darmstadt, Gießen, Aschaffenburg, Gelnhausen und Usingen.
Auch in vielen weiteren Orten machen sich Radfahrende gemeinsam auf den Weg über Zubringer-Routen zu den Haupt-Routen!
Komm mit – an diesem Tag gehören die Straßen uns!

Weitere Infos hier:
https://www.iaa-demo.de/
Aktuelle Karte der Sternfahrt:
https://www.b-s-e.net/iaa
Zeitplanung (kann sich noch ändern ist aber hier immer aktuell):
https://www.iaa-demo.de/routen-zeiten

Öffentliche Konferenz des Radverkehrsforums Marburg-Biedenkopf

Am 16. Oktober um 17.00 Uhr lädt die Kreisverwaltung zu einer öffentlichen Radverkehrskonferenz. Neben Informationen zum aktuellen Stand des Radverkehrsentwicklungsprozess, werden in einem Impulsvortrag Chancen und Möglichkeiten des Radverkehrs im ländlichen Raum thematisiert.
Anlass für die öffentliche Konferenz ist die aktuelle Ausweisung eines hessenweiten Hauptradnetzes.

Warum sollten Sie zur Konferenz kommen?
Das Land Hessen bereitet aktuell die Entwicklung eines landesweiten Radhauptnetzes vor. Mit den Achsen Marburg – Biedenkopf; Marburg – Neustadt und Marburg – Gießen ist von diesen Entwicklungen auch der Landkreis Marburg-Biedenkopf betroffen. Beteiligen Sie sich mit ihrer Expertise an der Diskussion über die Hauptachsen der Radverkehrsentwicklung in unserer Region, Ziel der Veranstaltung ist es, dem Land Hessen ein im Dialog mit der Kreisgesellschaft entstandenes Hauptradnetz für seine weiteren Überlegungen zur Verfügung zu stellen.

Rad-Hauptnetz Hessen

 

Weitere Hintergrundinformationen hier: Große Radverkehrskonferenz geplant – Hintergründe hier! | Mein Marburg-Biedenkopf

Neue Bedingungen zur Fahrradmitnahme in der Bahn

Seit dem 1. August 2019 gelten in Zügen der Deutschen Bahn AG neue Bedingungen für die Mitnahme von Fahrrädern, Pedelecs und Anhängern. Teils enthalten sie Klarstellungen, teils Erleichterungen, aber auch Einschränkungen für Lastenräder.

Eine Zusammenfassung gibt es hier: Neue Bedingungen zur Fahrradmitnahme in der Bahn | Fahrradportal

Weitere Infos:

Titelbild: Deutsche Bahn AG

Unveröffentlichte Studie zur Reaktivierung von Schienenstrecken

Im Rahmen der Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie der Bundesregierung (MKS) wurde eine Studie zu den den Kosten und den Potenzialen zur Treibhausgasminderung bei Reaktivierung stillgelegter Schienenstrecken insbesondere für den Personennahverkehr erstellt. Die Studie zeigt laut Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, dass Investitionen in die Reaktivierung von Schienenstrecken lohnend sind – auch für den Klimaschutz.

Wir haben diese Studie angefragt und folgende Antwort erhalten:

...Die Studie der MKS zur Reaktivierung stillgelegter Schienenstrecken liegt im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur vor. Derzeit wird eine Veröffentlichung im Haus geprüft. Das laufende Prüfverfahren ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen...

Laut dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e.V.  könnten bundesweit mehr als 3000 Kilometer stillgelegter Gleise mit vertretbarem Aufwand reaktiviert werden. Hier die Veröffentlichung inclusive einer Deutschlandkarte mit den Strecken:
https://www.vdv.de/vdv-reaktivierung-von-eisenbahnstrecken.pdfx

 

Titelbild: Deutsche Bahn AG / Max Lautenschläger

Bürgerbeteiligung bei Erstellung des Nationalen Radverkehrsplans

Im Rahmen der Erstellung des neuen Nationalen Radverkehrsplans können Sie bis zum 30. Juni 2019 ihre Meinungen und Ideen zur Verbesserung des Radverkehrs in Deutschland auf einer Online Beteiligungsplattform einstellen und nachlesen.

https://zukunft-radverkehr.bmvi.de/bmvi/de/home/beteiligen

Das Bundesverkehrsministeriums hat acht Leitziele vorgegeben, die im Rahmen der Online Beteiligung priorisiert und mit eigenen Ideen unterfüttert werden können. Diese sollen in die Entwicklung des neuen Nationalen Radverkehrsplans 2021 (NRVP) fließen. Auf dem 6. Nationalen Radverkehrskongress in Dresden wurden diese acht Leitziele mit Beispielen für mögliche Maßnahmen vorgestellt. Dresden ist übrigens gerade Schauplatz für ein absurdes machtpolitisches Manöver, welches hoffentlich keine Menschenleben fordert! Hier nachzulesen

 

Leitziele des BMVI mit Beispielmaßnahmen:

Ziel 1: Lückenloser Radverkehr in Deutschland
Radwege sollten nicht mehr plötzlich an einer Kreuzung enden. Neben den Kommunen, hat sich das Bundesverkehrsministerium (BMVI) zum Ziel gesetzt, möglichst viele Radwege an Bundesstraßen und Wasserstraßen zu bauen. Bei Neu- und Ausbau von Bundesstraßen soll in Zukunft deshalb immer geprüft werden, ob auch gleich ein begleitender Radweg gebaut werden kann. In Fällen, in denen das nicht der Fall ist, sollte dies künftig begründet werden.

Ziel 2: Vision Zero im Radverkehr
Wir brauchen breite, sichere Radwege, die im Idealfall auch klar vom Autoverkehr abgetrennt sind. Bei der Breite müssen wir daran denken, dass auch ausreichend Platz für neue Formen der Mobilität wie etwa Elektrokleinstfahrzeuge benötigt wird. Das BMVI plant höhere, wirksame Bußgelder für das unerlaubte Parken auf Schutzstreifen sowie für das Parken in zweiter Reihe.

Ziel 3: Urbaner Lastenverkehr wird Radverkehr
Experten schätzen, dass 20 Prozent des Lieferverkehrs per Rad abgewickelt werden kann. Das sollte unser Ziel sein. Das heißt z.B. Platz für Lastenräder. Die Kommunen können aber auch Verteilzentren einrichten, von denen aus die letzte Meile zum Kunden per Lastenfahrrad gefahren wird.

Ziel 4: Deutschland wird Fahrrad-Pendlerland
Der Bund stellt 25 Millionen Euro jährlich für breite und sichere Radschnellwege bereit. Der Bund wird hier mit den interessierten Kommunen und Ländern pragmatische Lösungen finden, wenn die Hürden dort möglicherweise für zu hoch erachtet werden. Denn Angebot schafft Nachfrage. Wenn wir erst breite, schnelle und lange Radstrecken haben, werden auch mehr Pendler aufs Fahrrad steigen.

Ziel 5: Deutschland wird Fahrradstandort
Das BMVI wird z.B. zum Wintersemester 2020 erstmals Hochschul-Professuren fördern, die sich mit Radverkehrsthemen beschäftigen.
Ziel ist es, Fachkräfte auszubilden, die ihr Know-how dann vor Ort in den Kommunen einbringen.

Ziel 6: Radverkehr wird intelligent, smart und vernetzt
Räder könnten in Zukunft einen Sender haben, über den sie mit den Ampeln und Fahrzeugen in der Umgebung kommunizieren können. Im Idealfall ist dann auf bestimmten Strecken eine grüne Welle für Radfahrer möglich und Autos können Radfahrer nicht mehr übersehen.

Ziel 7: Radverkehr erobert Stadt und Land
Darunter fallen auch die neuen Leuchtturmprojekte des BMVI, die in diesem Jahr erstmals mit insgesamt 20 Millionen Euro in den Kommunen gefördert werden können. Kommunen können sich noch in diesem Monat bewerben. Denkbar sind z.B. längere kreuzungsfreie Radverkehre in der Stadt mit Tunneln oder Brücken eigens für Radfahrer.

Ziel 8: Das Fahrrad im Zentrum moderner Mobilitätssysteme
Das BMVI arbeitet an einer Novelle der Straßenverkehrs-Ordnung, die den Radverkehr nutzerfreundlicher und damit noch attraktiver machen soll. Geplant ist z.B. ein Halteverbot auf Schutzstreifen. Das BMVI arbeitet außerdem daran, die Regelwerke und Handlungsempfehlungen zu überarbeiten, damit wir einheitliche und bessere Standards beim Radwegebau bekommen.

 

Quelle: https://zukunft-radverkehr.bmvi.de/bmvi/de/home

Radfahren für Alle – Spezialradmesse 2019

Redet man über den (Teil-)Umstieg vom Auto zum Radfahren, so hört man oft Sätze wie diese:

  • „Wenn ich alt bin kann ich doch nicht mehr Radfahren.“
  • „Ich habe ein kaputtes Knie und kann deshalb nicht Radfahren.“
  • „Ich muss für eine 5-köpfige Familie einkaufen, das geht nur mit dem Auto.“

Ein Besuch auf der Spezialradmesse in Germersheim zeigt aber schnell, es gibt kaum ein Handicap oder eine Lebenssituation, welche einem vom Radfahren abhalten muss. Hier wird die ganze Palette von „Vehikeln“ präsentiert.
Vom Reha-Sesseldreirad bis zu Lösungen zum Transport oder Selbtstransport von Rollstuhlfahrenden. Von ultratiefgelegten Sporttrikes bis hin zu Fahrradkutschen für eine ganze Kinderschar.

Wenn Sie also Radfahren wollen aber nicht können, dann liegt das einzig an der fehlenden Infrastruktur für Fahrräder!

Der fehlenden Infrastruktur stellen sich die Hersteller indirekt und entwickeln Räder für den rauen Einsatz jenseits der ordentlich ausgebauten Verkehrswege.
Die Zielgruppe für solche „Räder“ sind nicht nur Sportler, sondern auch Alltagsradler, die sich aufgrund fehlender Radwege leider über Wald- und Feldwege durch die Schlaglöcher kämpfen müssen.
Ein vollgefedertes Pedelec mit Ballonreifen ist keine übertriebene Spielerei sondern lediglich die Antwort auf die Widrigkeiten des Alltagsradelns.

Offroad-Kampfmaschinen oder einfach nur Fahrkomfort

 

Auch der Markt für leichte Kabinenfahrzeuge bzw. Velomobile ist in Bewegung. Sind diese vor ein paar Jahren in der Regel noch enge Kunstoffzigarren gewesen, in die man sich regelrecht hineininstallieren muss, so tauchen nun trendige und selbstbewusst raumgreifende Fahrzeuge auf dem Markt auf, welche durchaus Alltagstauglichkeit versprechen. Dank Elektrounterstützung spielt auch das Gewicht nicht mehr eine so große Rolle, so dass der Trend weg vom puristischen Minimalismus hin zu hoch komfortablen Ausstattung geht. Auf dieser Trendwelle schwimmend, hat es sogar der Messerschmitt Kabinenroller wieder in die Produktion geschafft (Zumindest dem Namen und dem Design nach).

Fahrrad-Auto-Metamorphose


Auch die Nachwuchsradler dürfen sich schon aktiv an den Vorzügen von Spezialrädern erfreuen. Zum Beispiel durch Mittretanhänger oder Trikes.
Bemerkenswert ist ein preiswertes Kisten-Transportrad mit dem Kinder ihre Lieblingsspielsachen selbst transportieren könne und die Stützräder Teil des Fahrzeugkonzeptes sind.
Ihre Kleinen sollten das Radfahren aber natürlich auf einem Normalrad erlernen!

 

 

Soll das Fahrrad ein Auto ersetzen, spielen natürlich die Lastenräder bzw. Lastenanhänger ein große Rolle. Entsprechend entwickelt sich auch hier der Markt immer weiter. Bezüglich Tragkraft und Ladevolumen können viele Lösungen locker mit dem Kofferraum eines PKW mithalten oder sind sogar besser.

Interessant sind immer die Individuallösungen, z. B. für den Transport eines Bootes oder eines Faltrades. Falls sie sich fragen, warum man mit dem Fahrrad ein Fahrrad transportieren sollte: Holen Sie ihren Lieblingsbesuch doch einfach mal mit dem Fahrrad vom Bahnhof ab! Das mach gleich gute Laune und lockert die von der Zugfahrt steif gewordenen Glieder!

Bei den Lastenradmodellen zeigen sich schon länger verschiedene Konzepte. Neben den „klassischen“ Kistenlenkern und den sportlicheren Einspurern mit vor dem Lenker tief liegender Ladefläche („Vorderlader“) etablieren sich sogenannte „Longtails“. Das sind quasi „Normalräder“ mit verlängertem und versteiften Heckgepäcktrager und kleinen Ballonreifen um einen niedrigen Schwerpunkt erreichen. Oft besteht noch die Möglichkeit, einen Träger über dem Vorderrad zu befestigen. So ausgestattet sind diese Modelle kompakte Lastesel mit hoher Alltagstauglichkeit. In Sachen Schwertransport oder Transport sperriger Güter haben aber die Vorderlader oder Kistenlenker die Nase vorne.

Eine besondere Kategorie stellt die Radkutsche dar, mit der mehrere Personen transportiert werden können. Ähnliche Bauformen findet man auch für die gewerbliche Nutzung im Bereich Handwerk, Logistik und Straßengastronomie.

Wer „mehrspurig liegen“ möchte oder muss hat normalerweise ein Problem mit der Gepäckverstauung. Hier kann man entweder zum Anhänger greifen oder ein „Quad“ benutzen welches zwischen den Hinterrädern Platz für das Gepäck macht.

 

 

 

Und dann war da noch:

 

SUV vs. PLEV

Noch in diesem Frühjahr soll die Verordnung für die Benutzung von Elektrokleinstfahrzeugen bzw. „Personal Light Electric Vehicles (PLEV)“ auf deutschen Straßen in Kraft treten. Dazu gibt es einen Referentenentwurf:
https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Anlage/G/Gesetze-19/II-15-referentenentwurf-ekfv-enorm.html
Die Verordnungsparagraphen findet man auf den Seiten 5 – 11 und die Prüfanforderungen an die Fahrzeuge ab Seite 12. Außerdem hat die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) eine Untersuchung zu Elektrokleinstfahrzeugen vorgenommen. Ziel dieser Untersuchung war es zu ermitteln, ob und wenn ja unter welchen Bedingungen Elektrokleinstfahrzeuge im Straßenverkehr sicher betrieben werden können, welche technischen  Anforderungen dafür notwendig sind und welches Konfliktpotential zu anderen Verkehrsteilnehmern zu erwarten ist.
https://bast.opus.hbz-nrw.de/opus45-bast/frontdoor/deliver/index/docId/2083/file/F125_Internet_PDF.pdf

Bezüglich der Benutzung des Verkehrsraumes werden sie de facto mit Fahrrädern gleichgestellt. Technische Eckdaten: Höchstgeschwindigkeit 20 Km/H, zwei unabhängig voneinander wirkenden Bremsen sowie Klingel und Beleuchtungsanlage müssen vorhanden sein.

Zum Führen der Fahrzeuge bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von weniger als 12 km/h sind Personen berechtigt, die das 12. Lebensjahr vollendet haben, für Fahrzeuge mit einer Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 20 km/H sind Personen berechtigt, die das 14. Lebensjahr vollendet haben. Obligatorisch ist der Abschluss einer Haftpflichversicherung analog einem Pedelec S, jedoch mit einem Aufkleber statt einem Nummernschild. Voraussetzung für die Zulassung ist eine allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) oder eine Einzelabnahme. Wer jetzt schon ein solches Fahrzeug besitzt sollte beim Hersteller nachfragen, ob eine nachträgliche Typenzulassung, bzw. entsprechende Nachrüstungen möglich sind.
Eine Einzelabnahme kommt wegen der hohen Kosten wohl eher nicht in Frage.

Grundsätzlich ist es absolut zu begrüßen, bedarfsgerechte Mobilität zu ermöglichen.
Das soll in diesem Fall heißen, das ein Vehikel nur gerade so groß ist, dass es den Transportzweck erfüllen kann.

De facto haben wir aktuell nicht die Infrastruktur für diese Fahrzeuge.
Auch wenn die Fahrt auf dem Gehweg untersagt ist, werden hier – mehr noch wie beim Radverkehr – die Konflikte mit Fußgängern vorprogrammiert sein.
Anders herum darf bei fehlender Radverkehrsinfrastruktur auf der Strasse gefahren werden. Und da möchte ich den 10-Tonner-LKW-Fahrer oder den 2-Tonner-SUV-Fahrer sehen, der rücksichtsvoll hinter dem Cityroller bleibt, bis er mit genügend Sicherheitsabstand überholen kann.
Trotz aller Sympatie für Vielfalt auf der Strasse, bringen jetzt schon zu viele unterschiedliche Geschwindigkeiten gemeinsam geführter Verkehrsarten  Konflikte mit sich. Dieser Herausforderung muss man sich aber stellen!

Wir werden in Zukunft auch eine Reihe von leichten Kabinen-Fahrzeugen im Verkehrsraum (auch über Land) haben, alle mit sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten.
Auf einer Straße ohne Radverkehrsinfrastruktur hätten wir dann auf der Fahrbahn mindestens folgende entweder bauartbedingten oder erlaubten Fahzeughöchstgeschwindigkeiten: 100 – 50 – 45 – 30 – 25 – 20 – 18

Bei Betrachtung unserer gegenwärtigen Infrastruktur und der schwindenden Regeltreue wirkt die Zulassung solcher Fahrzeugarten auf gemeinsamen Verkehrswegen eher wie das Aufstellen lebender Verkehrsberuhigungspoller.

Ich besitze selbst einen e-Scooter und durfte – natürlich nur auf einer realitätsnahen Teststrecke – schon ausprobieren, wie es sich anfühlt mit solch einem Gefährt unterwegs zu sein. Kurz gesagt: Man weiß nicht wo man hingehört und fühlt sich nirgends so richtig wohl außer vielleicht auf einem schön geteerten Feldweg. Spaß macht es dann schon!
Doch wie kann man dem ehrenwerten Wunsch nach bedarfsgerechter Mobilität und gleichzeitig der höchsten Maxime, nämlich der Verkehrssicherheit, gerecht werden?
Eine getrennte Verkehrsführung wäre technisch gesehen die Ideallösung. Monetäre Zwänge und die Flächenverfügbarkeit sprechen jedoch leider noch! zu oft dagegen.

Was meinen Sie? Wo sollte man die räumlichen und physikalischen Grenzen zwischen den Verkehrsarten ziehen?
Welche Verkehrsarten sollten unbedingt getrennt geführt werden, welche Geschwindigkeitsunterschiede kann man akzeptieren?
Tempo 100 nur noch, wo eine getrennt geführte Radverkehrsinfrastruktur vorhanden ist?
Sonst Tempo 50?
Angleichung der verkehrsberuhigten KFZ-30 Km/H versus 25 Km/H des Pedelecs?

Eine Anhebung der Pedelec S -Geschwindigkeit auf 50 Km/H halte ich für technisch schwierig, da sollte man gleich auf ein elektrisch angetriebenes Kleinkraftrad setzen. Das Pedelec S hat seine Daseinsberechtigung m. E. ohnehin nur in dem Bestreben, dass man sowohl die Strasse als auch die Radverkehrsinfrastruktur (diese dann oft illegal) nutzen möchte und das mit möglichst hoher Geschwindigkeit.

Eine scheinbar revolutionäre Entscheidung hat VerkehrTminister Scheuer da getroffen? Was treibt ihn um? Möchte er die Verkehrswende unterstützen, oder nur den Weg öffnen für einen neuen lukrative Sharing-Dienstleistungmarkt?

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/e-scooter-deutschland-ruestet-sich-fuer-den-boom-der-elektroroller-a-1238874.html

http://www.spiegel.de/auto/aktuell/elektromobilitaet-freie-fahrt-fuer-elektro-skateboards-a-1253434.html

https://www.zukunft-mobilitaet.net/169402/analyse/rollersharing-regulierung-kommunen-international-mobility-data-specification/

http://www.taz.de/Kommentar-Neue-Elektrofahrzeuge/!5570870/

 

Titelbild-Quelle: https://qimby.net/user/phibo

ÖPNV-Fahrzeitverkürzung per Mausklick

Wie komme ich mit dem ÖPNV von einem der Wetteraner Stadtteile nach Marburg oder Frankenberg? Na ist doch logisch: Mit dem Bus bis zum Bahnhof in Wetter und dann weiter mit der Bahn.

Wer dies zum ersten mal in Erwägung zieht, weil er das Auto mal stehen lassen will oder weil er zu den Glücklichen gehört, die ein RMV-Jahresticket geschenkt bekommen, könnte diesen Plan aber schon schnell wieder aufgeben. Und zwar noch am heimischen Computer, während er nachschaut, wie diese Verbindung denn eigentlich funktioniert. In der Fahrplanauskunft des RMV oder der Bahn gibt der willige Mensch hoffnungsvoll den Start und Zielort seiner Expedition ein, z. B. Wetter-Amönau nach Marburg (Distanz ca. 20 Km).

Das Ergebnis welches er zu sehen bekommt, wird ihn womöglich darin bestätigen was er schon immer gewusst hat: „Bus und Bahn ist KEINE Alternative!“.
Er sieht nämlich je nach gewähltem Reisezeitpunkt dies hier:

Noch deutlicher wird es, wenn man als Ziel den Bahnhof Wetter angibt (Distanz ca. 4 Km):

Im Detail sieht die erste Verbindung dann so aus:

Fast zwei Stunden Reisezeit mit zwei Umstiegen für 4 Km!
Sind die Verbindungen mit dem ÖPNV wirklich so schlecht?
Nein, ganz und gar nicht!

So geht es zum Beispiel auch:

Im Detail sehen diese Verbindungen dann so aus:

Aus fast zwei Stunden mit zwei Umstiegen werden plötzlich 12 Minuten ohne Umstieg aber mit 8 Minuten Fußmarsch. In der Zeit des Schülerverkehrs fahren die Busse (hier die Linie 65) nämlich dummerweise nicht bis direkt zum Bahnhof. Es wird jedoch eine Haltestelle in fußläufiger Nähe zum Bahnhof angefahren. Diese Auskunft bekommt man aber nur wenn man Folgendes tut: Sie müssen in der Verbindungssuche den Haken bei „Alternative Haltestellen an Start und Ziel erlauben“ setzen. Also nur etwas für Leute mit dem sogenannten „Fahrgastabitur“!

Wenn sie jetzt denken, „OK, dann  mache ich eben immer das Häkchen…“, dann hilft ihnen das leider auch nicht für eine Verbindung von Amönau nach Marburg, da die Option sich eben nur auf Start und Ziel auswirkt und nicht auf Umstiege. Man kann darüber streiten, ob die Verbindungssuche sich hier schlau verhält. Nach Aussage des RMV, liegt das Problem an fehlende Informationen in der Datenbank der Reiseauskunft. Der Fußweg ist nach Auskunft des RMV-Support  nicht für Umstiege in der Datenbank hinterlegt. Datenlieferanten seien neben den Fachabteilung des RMV auch die lokalen Aufgabenträger vor Ort.
Hier der Verlauf der Korrespondenz: Fusswege im RMV

An dieser Stelle darf man übrigens einmal hervorragenden Support des RMV loben. Hier bekommt man schnell und persönlich eine Antwort auf Fragen. Zumindest war es in diesem Fall so.

Was hier wie eine Kleinigkeit erscheint, hat beachtliche Auswirkungen. Gerade in Bezug auf „Umsteiger“ kann so etwas schnell dazu führen, dass es eben nicht zum Umstieg kommt. Das können wir uns eigentlich nicht leisten!
Der Datenlieferant dürfte in diesem Fall der RNV sein, den wir bitten werden, den Fussweg einpflegen zu lassen und zu prüfen, bei welchen Relationen im Landkreis eventuell das gleiche Problem besteht.

Apropos „Umsteiger oder Welche die es werden wollen“: Hier wird von Seiten der Kommunen z. B. in Wetter viel zu wenig Öffentlichkeitsarbeit gemacht.
Lesen Sie dazu folgende Artikel: VerkehrsWetterbericht – ÖPNV

Wirtschaftsministerium antwortet endlich – und auch nicht!

Eher der Form halber möchte ich die Antwort des Wirtschaftsministeriums zum Thema Rückbau von Forstwegen nicht vorenthalten.

Hier das Schreiben:

 

Bisherige Artikel zu dem Thema:

http://www.burgwaldregion-mobil.de/2018/07/04/fahrradrouten-in-hessen-werden-zurueckgebaut/

http://www.burgwaldregion-mobil.de/2018/08/15/antwort-vom-hessischen-umweltministerium-rueckbau-asphaltierter-forstwege/

Westumgehung Marburg – „Allnatalweg“

Die Debatte um eine mögliche Westumgehung um Marburg hat sich im Wesentlichen an der neuerlichen Frage nach der Wohngebietsentwicklung entfacht. Händeringend sucht Marburg seit Jahren nach Flächen für neuen Wohnraum. Innenstadtverdichtung geht kaum noch und Ausweisung von neuen Wohngebieten stößt auf massive Widerstände in der betroffenen Bevölkerung, unter anderem weil diese Verkehrstechnisch nicht ordentlich angebunden werden können.
Auf der anderen Seite haben wir Leerstand und Flächen ohne Ende im Umkreis von 30 Km um Marburg.
Da gibt es Wohnraum mit hoher Lebensqualität, idealen Bedingungen für Familien mit Kindern aber auch für alle Menschen, die in einer natürlichen Umgebung leben wollen.
Das Problem ist aber die schlechte Anbindung an die Zentren mit dem öffentlichen Personennahverkehr.
Wenn dieser ordentlich ausgebaut würde, müsste man im Stadtgebiet warscheinlich keine einzige neue Wohnung bauen.
Man hätte zudem deutlich weniger Verkehr in der Stadt, was wiederum freie Flächen schaffen würde!
OB Spies sagt, er will dass die Leute, die in Marburg arbeiten auch in Marburg wohnen können, da man sonst noch mehr Ein- und Auspendler hätte.
Da fehlt im wohl die Fantasie, dass viele von diesen eben nicht mit dem Auto fahren müssten.
Ein Leser der Oberhessischen Presse schrieb mir kürzlich besonders aus der Seele:
Leserbrief aus Oberhessischer Presse, Ausgabe: Dienstag, 13. November
Leserbrief aus Oberhessischer Presse, Ausgabe: Dienstag, 13. November
Er träumt von einer Kooperation mit den umliegenden Gemeinden und einer S-Bahn im 20 Minuten-Takt von Wetter zum Marburger Hauptbahnhof. Ohne solche und andere Visionen – wie z. B. die Sicherstellung der Nahversorgung im ländlichen Raum – lösen wir meines Erachtens weder die Verkehrs- noch die Wohnraumprobleme in Marburg.
Inzwischen regt sich massiver Widerstand gegen die Straßenbaupläne.
Aus vielerlei Gründen und sehr zu Recht wie ich meine.
Neben zahlreichen Leserbriefen an die Oberhessische Presse, formiert sich gerade eine Initiative „Allnatalweg BITTE NICHT!“, welche über Facebook an die Öffentlichkeit geht.
(Facebook-> Suche nach „Allnatalweg“)

 

Titelbild Quelle: https://geo-en.hlipp.de/photo/10370