Radfahren für Alle – Spezialradmesse 2019

Redet man über den (Teil-)Umstieg vom Auto zum Radfahren, so hört man oft Sätze wie diese:

  • „Wenn ich alt bin kann ich doch nicht mehr Radfahren.“
  • „Ich habe ein kaputtes Knie und kann deshalb nicht Radfahren.“
  • „Ich muss für eine 5-köpfige Familie einkaufen, das geht nur mit dem Auto.“

Ein Besuch auf der Spezialradmesse in Germersheim zeigt aber schnell, es gibt kaum ein Handicap oder eine Lebenssituation, welche einem vom Radfahren abhalten muss. Hier wird die ganze Palette von „Vehikeln“ präsentiert.
Vom Reha-Sesseldreirad bis zu Lösungen zum Transport oder Selbtstransport von Rollstuhlfahrenden. Von ultratiefgelegten Sporttrikes bis hin zu Fahrradkutschen für eine ganze Kinderschar.

Wenn Sie also Radfahren wollen aber nicht können, dann liegt das einzig an der fehlenden Infrastruktur für Fahrräder!

Der fehlenden Infrastruktur stellen sich die Hersteller indirekt und entwickeln Räder für den rauen Einsatz jenseits der ordentlich ausgebauten Verkehrswege.
Die Zielgruppe für solche „Räder“ sind nicht nur Sportler, sondern auch Alltagsradler, die sich aufgrund fehlender Radwege leider über Wald- und Feldwege durch die Schlaglöcher kämpfen müssen.
Ein vollgefedertes Pedelec mit Ballonreifen ist keine übertriebene Spielerei sondern lediglich die Antwort auf die Widrigkeiten des Alltagsradelns.

Offroad-Kampfmaschinen oder einfach nur Fahrkomfort

 

Auch der Markt für leichte Kabinenfahrzeuge bzw. Velomobile ist in Bewegung. Sind diese vor ein paar Jahren in der Regel noch enge Kunstoffzigarren gewesen, in die man sich regelrecht hineininstallieren muss, so tauchen nun trendige und selbstbewusst raumgreifende Fahrzeuge auf dem Markt auf, welche durchaus Alltagstauglichkeit versprechen. Dank Elektrounterstützung spielt auch das Gewicht nicht mehr eine so große Rolle, so dass der Trend weg vom puristischen Minimalismus hin zu hoch komfortablen Ausstattung geht. Auf dieser Trendwelle schwimmend, hat es sogar der Messerschmitt Kabinenroller wieder in die Produktion geschafft (Zumindest dem Namen und dem Design nach).

Fahrrad-Auto-Metamorphose


Auch die Nachwuchsradler dürfen sich schon aktiv an den Vorzügen von Spezialrädern erfreuen. Zum Beispiel durch Mittretanhänger oder Trikes.
Bemerkenswert ist ein preiswertes Kisten-Transportrad mit dem Kinder ihre Lieblingsspielsachen selbst transportieren könne und die Stützräder Teil des Fahrzeugkonzeptes sind.
Ihre Kleinen sollten das Radfahren aber natürlich auf einem Normalrad erlernen!

 

 

Soll das Fahrrad ein Auto ersetzen, spielen natürlich die Lastenräder bzw. Lastenanhänger ein große Rolle. Entsprechend entwickelt sich auch hier der Markt immer weiter. Bezüglich Tragkraft und Ladevolumen können viele Lösungen locker mit dem Kofferraum eines PKW mithalten oder sind sogar besser.

Interessant sind immer die Individuallösungen, z. B. für den Transport eines Bootes oder eines Faltrades. Falls sie sich fragen, warum man mit dem Fahrrad ein Fahrrad transportieren sollte: Holen Sie ihren Lieblingsbesuch doch einfach mal mit dem Fahrrad vom Bahnhof ab! Das mach gleich gute Laune und lockert die von der Zugfahrt steif gewordenen Glieder!

Bei den Lastenradmodellen zeigen sich schon länger verschiedene Konzepte. Neben den „klassischen“ Kistenlenkern und den sportlicheren Einspurern mit vor dem Lenker tief liegender Ladefläche („Vorderlader“) etablieren sich sogenannte „Longtails“. Das sind quasi „Normalräder“ mit verlängertem und versteiften Heckgepäcktrager und kleinen Ballonreifen um einen niedrigen Schwerpunkt erreichen. Oft besteht noch die Möglichkeit, einen Träger über dem Vorderrad zu befestigen. So ausgestattet sind diese Modelle kompakte Lastesel mit hoher Alltagstauglichkeit. In Sachen Schwertransport oder Transport sperriger Güter haben aber die Vorderlader oder Kistenlenker die Nase vorne.

Eine besondere Kategorie stellt die Radkutsche dar, mit der mehrere Personen transportiert werden können. Ähnliche Bauformen findet man auch für die gewerbliche Nutzung im Bereich Handwerk, Logistik und Straßengastronomie.

Wer „mehrspurig liegen“ möchte oder muss hat normalerweise ein Problem mit der Gepäckverstauung. Hier kann man entweder zum Anhänger greifen oder ein „Quad“ benutzen welches zwischen den Hinterrädern Platz für das Gepäck macht.

 

 

 

Und dann war da noch:

 

Mitnahmebank zum Christenberg

In Münchhausen gibt es jetzt eine Mitnahmebank auf dem Weg zum Christenberg. Das ist sicherlich eine Strecke auf der das Konzept einer Mitnahmebank gut funktioniert. Gerade für ältere Menschen aus Münchhausen entsteht dadurch die Möglichkeit zu einem Gaststättenbesuch ohne vorher eine Fahrgelegenheit organisieren zu müssen.

e-Bike Gruppe organisiert sich in Amönau

Unter der Federführung von Kurt Muth aus Amönau organisieren sich aktuell Pedelec-Fahrer/innen aus der näheren Umgebung.
Die Initiatoren möchten in der Gruppe gemeinsame Fahrten durchführen und sich darüber hinaus den besonderen Anforderungen des Pedelec-Fahrens stellen.

So sollen Themen wie Technik und Tourenplanung behandelt, so wie auch die Fahrsicherheit gefördert werden. Auch wenn sich die Initiative im Bereich des Freizeitradelns bewegt, dürfte sie sicherlich auch einen Beitrag dazu leisten, dass das Pedelec in Folge auch verstärkt im Alltag genutzt wird. Mit zunehmender Fahrsicherheit und dem Kennenlernen geeigneter Wege sinkt die Hemmschwelle, das Pedelec auch mal zum Einkaufen oder dem Weg zu Arbeit zu benutzen.
Das Angebot richtet sich sowohl an geübte, so wie auch an ungeübte Fahrer/innen aus der Region. Aber auch Menschen ohne Fahrrad oder Pedelec können sich an die Gruppe wenden um sich z. B. vor dem Kauf eines Rades zu informieren oder mal eine Probefahrt zu machen.

Bei Interesse können sie unter folgendem Link Kontakt zur Gruppe aufnehmen.
Dort finden sie auch interessante Links zu weiteren Informationen rund ums Pedelec-Fahren:

http://www.amoenau.de/vereine-und-institutionen-und-terminkalender/e-bike-gruppe/

VerkehrsWetterbericht – ÖPNV

Für „Umsteiger oder Welche die es werden wollen“ wird von Seiten der Kommunen viel zu wenig Öffentlichkeitsarbeit gemacht. Werbung machen für Nutzung von Bus und Bahn bleibt weitgehend den Verkehrsträgern überlassen. Dabei könnten die Kommunen und Städte sehr viel gezielter werben, z. B. mit einem Statement wie diesem:

Wie soll ich ohne Auto Nachts um halb eins von Marburg zurück nach Treisbach kommen? Mit dem Bus natürlich ...und zwar in 30 Minuten!

Wir haben die Stadtverwaltung Wetter z. B. im Januar 2018 auf die deutliche Ausweitung der Verbindungen im Spätverkehr aufmerksam gemacht und gefragt, was sie beabsichtigt zu tun, um diese neuen Optionen ihren Bürgern auch bekannt zu machen. Die Reaktion war ein 2 mal 5 Zentimeter großer einmaliger Hinweis im Amtsblättchen. Das ist nun wirklich KEINE wirksame Form der Öffentlichkeitsarbeit!

Auch die örtliche Infrastruktur signalisiert nicht gerade, dass Busfahren eine echte Alternative zum eigenen Auto ist. Das Fahrgastwartehäuschen in Amönau Kalkwerk sieht seit Jahren so aus, als würde hier schon lange keine Bus mehr halten!

 

Die Aushangfahrpläne an der Haltestelle Banhnhofstraße sind dauerhaft vertauscht und das dort kaputtgefahrene Fahrgastwartehäuschen wurde über Monate nicht ersetzt…

Man könnte die Liste noch ein bisschen fortsetzen aber sieht man da etwa Licht am Horizont? Im Wetteraner Boten erschien kürzlich ein Statement des Fachdienstes „Stadtmarketing und Seniorenarbeit“, sowie ein tabellarischer Busfahrplan. Wir rätseln hier noch ein bisschen über die Aussagekraft diese Busfahrplans. Hier sind die Fahrten der Linien 60, 61 und 65 örtlich auf Wetter und die Stadtteile, sowie zeitlich auf die Fahrten von Mo.-Fr. (Vormittags) eingeschränkt, dargestellt. Erst einmal keine schlechte Idee um eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen.
Statement und Busfahrplan im Wetteraner Boten hier klicken

Irritiert hat uns jedoch die große Überschrift „ENTWURF“. Wir dachten erst, dass hier die Vorschläge für eine Verdichtung des Taktes eingearbeitet sein könnten. Aber weit gefehlt! Bei Überprüfung stellten wir fest, das die Pläne sogar veraltet und somit teilweise falsch sind! Alle Fahrplanänderungen vom 25.02.2019 sind nicht berücksichtigt. Die korrekten Fahrpläne finden sie hierhttps://www.rnv-mobil.de/fahrplaene/busverkehre/
Eine Legende fehlt außerdem, so dass sich die Bedeutung der Abkürzungen in der Zeile „Verkehrsbeschränkung“ nicht erschließt.

Liebe Stadt Wetter!
Den Fahrgast, der sich aufgrund ihrer Veröffentlichung entschließt erstmals mit dem Bus zu fahren und um 07:20 Uhr in Todenhausen an der Haltestelle steht und auf den Bus nach Wetter wartet, der jedoch schon um 07:14 Uhr abfuhr, haben sie als“Umsteiger“ möglicherweise dauerhaft verloren!

Offensichtlich gibt es also Bestrebungen, die Taktung des Busverkehrs zwischen Wetter und den Stadtteilen zu verdichten. Dies soll in enger Zusammenarbeit mit dem den lokalen Verkehrsträgern geschehen.

In Gesprächen mit der Geschäftsführung der ALV
Oberhessen wurde klar, dass es bei Bedarf auch noch
zusätzliche freie Buskapazitäten gibt. Diese Buskapazi-
täten sollte man sich zu Nutze machen und das Know-
How der ALV Oberhessen nutzen, bevor man als
Kommune eigenständig einen Kleinbus anschafft und
ggf. ehrenamtlich tätigen Menschen die verantwortungs-
volle Aufgabe der Personenbeförderung überträgt.

Das ist sicherlich die richtige Einstellung. Obwohl die Akzeptanz der Bürgerbusse sich gerade gut entwickelt: Der ÖPNV ist öffentliche Daseinsvorsorge und gehört nicht in ehrenamtliche Hand. Ehrenamtliche könnte man gut einsetzen um Menschen die Nutzung des ÖPNV durch ein kostenloses Mobilitätstrainings nahe zu bringen.

Im Wetteraner Statement werden als Zielgruppen namentlich Seniorinnen und Senioren, sowie Schülerinnen und Schüler angesprochen. Man kann nur hoffen, dass man bei der Thematik auch an Berufspendler denkt, da diese einen großen Anteil am Verkehrsaufkommen haben.

Fraglich ist, wie das zusätzliche Angebot eigentlich finanziert werden soll!

Lobenswert ist natürlich das Angebot zur Bürgerbeteiligung:

Wenn Sie Fragen, Anregungen oder Wünsche haben
oder Kritik äußern möchten, dann schreiben Sie uns.
Wir sind interessiert an Ihrer Meinung.
stadtmarketing@wetter-hessen.de
Tel. 06423 / 82 41

 

Update 06.03.19:

Der Fachdienst der Stadt Wetter teilte am 04.03.19. auf Nachfrage mit, dass die Überschrift „Entwurf“ ein Versehen war.
Die Busfahrpläne seien Mitte Februar zugeliefert worden und man prüfe nun noch einmal deren Aktualität.

Die positive Nachricht:
Man beabsichtigt, zukünftig regelmäßig die Bürgerinnen und Bürger über die Busverbindungen zu informieren
und man sieht bzgl. den Veröffentlichungen auch noch Verbesserungsbedarf.

Wie Sie 105 + X Jahre alt werden

Karoline Stowasser auf aus Fellingshausen blickt auf 105 Lebensjahre zurück. In einem Interview mit der Oberhessischen Presse beantwortet sie die Frage nach dem Geheimnis für ein langes Leben. Das könne sie eigentlich nicht genau sagen. Außer:

„… „Ich hab immer gesunde Sachen aus unserem Garten gegessen und mich viel bewegt.“ Ein Auto hätte sie nie besessen, alles zu Fuß oder mit dem Rad erledigt. Mit dem Viehwagen sei sie oft nach Rodheim oder Gießen gefahren, um zum Beispiel Äpfel pressen zu lassen…“

Ich finde, sie hat einen sehr berechtigten Verdacht! In diesem Sinne: Rauf aufs Rad und täglich einen Apfel!

Lesetipp zum Thema öffentliches Verkehrsangebot im ländlichen Raum

 

[Diskussionsbaustein] Welche Rolle können Genossenschaften bei der Bereitstellung öffentlicher Verkehre in ländlichen Räumen spielen?

 

Ich habe heute einen Kommentar zu dieser Diskussion verfasst, da ich hier grundlegende Annahmen nicht teilen kann.

Hallo Herr Randelhoff,

sie möchten ihr Modell nicht aus Sicht des heutigen Rechtsrahmens entwickelt wissen, da sie diesen für veränderbar erachten. Das halte ich für einen zukunftsfähigen Ansatz!

Dessen ungeachtet bauen sie in der Herleitung des Modells auf Größen und Werte die meiner Meinung nach ebenfalls nicht unveränderlich sind?

Schon in der Einleitung verweisen sie auf die "steigenden Pkw-Verfügbarkeit" als Grund für die mangelnde Auslastung des bestehenden ÖPNV-Angebotes.
Ist das im Angesicht der Probleme, die diese Verkehrsart verursacht tatsächlich eine feste Größe? Ich hoffe nicht!

Auch das Bedürfnis nach höchster Flexibilität möchte ich nicht unbedingt als Richtschnur für die Mobilität von Morgen wissen.
Ich denke, was den allgemeinen Lebensstil betrifft, würde es allen nützen, wenn man das Leben eher nach den Möglichkeiten plant, Restriktionen akzeptiert und nicht versucht durch ungebändigte Ausschöpfung aller Ressourcen das Maximale zu erreichen.
Das widerspricht momentan noch dem Zwang der Tatsachen, aber wer kennt schon die Zukunft! (-;

Geringe Auslastung und Unterfinanzierung

Wie sähe es mit diesen "Tatsachen" aus, wenn der motorisierte Individualverkehr nicht mehr im heutigem Maße durch die Allgemeinheit (und zukünftige Generationen) subventioniert würde? 
Schlechte Ökobilanzen des ÖPNV durch das Transportieren von Luft würden zumindest für das Gesamtnetz deutlich besser werden und Geld wäre dann auch vorhanden!

Grundsätzlich finde ich die Idee, Kapazitäten von z. B. Lieferdiensten zu nutzen interessant.
Die eiern den ganzen Tag durch die Gegend und könnten gut jemanden mitnehmen.
Wenn ich mir aber den Fahrstil betrachte habe ich schon keine Lust mehr einzusteigen. Es stellt sich allgemein die Frage nach der notwendigen Qualifikation zu Personenbeförderung.

PS:
Ist "Gefäß" wirklich ein passender Begriff in der Personenbeförderung?
Ich finde es etwas entwürdigend, als Transportgut eingestuft zu werden.

Der neue RMV Fahrplan

Über die Änderungen im Bahnverkehr auf der Linie RB 42 berichtete ich ja bereits an dieser Stelle.

Hier nun die endgültige Vergleichstabelle für die Relation Marburg-Wetter vor dem Fahrplanwechsel (orange) und nach dem Fahrplanwechsel (grün) jetzt auch mit den neuen Busverbindungen. Der neue RMV Fahrplan weiterlesen

Neues von der RB 42

Bei der Kurhessenbahn, dem Verkehrs- und Infrastrukturbetreiber der Linie RB 42 (Marburg <> Frankenberg <> Korbach <> Brilon Stadt) ist zur Zeit einiges in Bewegung. Kürzlich gewann sie die Ausschreibung für die Erbringung der Verkehrsleistungen für die nächsten 15 Jahre. Meines Erachtens eine erfreuliche Tatsache, da die Weichen hier tendenziell auf Ausbau und Erweiterung stehen. Neues von der RB 42 weiterlesen