9+2 Fragen an die Cölber Bürgermeisterkanditaten (und die Antworten!)

Am kommenden Sonntag findet in Cölbe, gemeinsam mit der Landtagswahl, auch die Bürgermeisterwahl statt. Diese Gelegenheit haben wir genutzt, um die Kandidaten nach ihrer Meinung zu ausgewählten Verkehrsthemen zu befragen.  Wir wollten für Cölbe wissen, welche Entwicklung uns in Bezug auf die Förderung sanfter Mobilitätsformen bzw. umweltschonender Verkehrssysteme erwartet.

Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass sich in den Kommunen z. B. bei der Radverkehrsentwicklung nur dann konkret etwas ändert, wenn die Entscheidungsträger sich mit Herzblut für die Sache engagieren.
Burkhard Stork, Bundesgeschäftsführer des ADFC hat es in einem Kongress der CDU/CSU-Fraktion auf den Punkt gebracht:

"Die Bürgermeister müssen den heißen Atem im Nacken spüren"                 Redebeitrag Herr Stork auf YouTube

Gemeint hat er den Atem der Bundesregierung! Und wenn der heiße Atem nicht von oben kommt, dann muss er eben von unten kommen.  Wir haben einen Fragenkatalog erstellt und diesen der Kandidatin und dem Kandidaten mit der Bitte um Beantwortung zugesendet. Hier unsere Zusendung:

Fragen-Bürgermeisterkanditaten-Cölbe-Anschreiben.pdf
Das Anschreiben (pdf)
Der Fragenkatalog (pdf)

Freundlicherweise haben Beide unsere Fragen beantwortet. Das ist in der stressigen Wahlkampfzeit sicher keine Selbstverständlichkeit und zeigt, dass das Thema ernst genommen wird.
Hier nun die Rückmeldungen:

Carola Carius
Diplom-Ingenieurin FH
https://www.carola-carius.de/

Antworten Carina Carius (pdf)

Dr. Jens Ried
Wissenschaftlicher Geschäftsführer
http://www.jens-ried.de/

Antworten Jens Ried (pdf)

 

Einen Beitrag der Oberhessischen Presse zu den Antworten können Sie hier ansehen:

Antwort vom hessischen Umweltministerium – Rückbau asphaltierter Forstwege

Vom hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Priska Hinz) habe ich inzwischen eine Antwort auf meine Anfrage erhalten.

Leider geht man hier fast ausschließlich auf den „Marburger Fall“ ein.
Mir ging es aber eben gerade darum, die hessenweiten Auswirkungen der Handlungsmaxime von HessenForst aufzuzeigen und den Widerspruch zu den Bestrebungen den Radverkehr zu fördern, zu skizzieren.
Man hätte meine Anfrage halt komplett lesen müssen um das zu verstehen, na ja.
Überhaupt wirkt das Antwortschreiben irgendwie „recycled“, d. h. dass es wahrscheinlich in ähnlicher Form am die genannten Marburger Politiker und Aktiven ging.

Aber was steht denn nun drin in der Antwort?

In großen Teilen nichts Neues. Es geht um die eigentliche Zweckbestimmung von Waldwegen, wie es das hessische Waldgesetz vorsieht.
Es wird grundsätzliche Gesprächsbereitschaft bzgl. der Wege auf den Lahnbergen signalisert.
Die Maßnahme am Hans-Helmut-Paul-Weg wird wohl aus finanziellen Gründen bis 2019 zurückgestellt.

Ein kleiner Satz hat mich aber dann doch aufhorchen lassen. In Bezug auf die Zweckbestimmung und den Status von Waldwegen heißt es hier:

Anderes würde nur gelten, wenn Waldwege im Sinne verkehrsrechtlicher Vorschriften als offizielle Radwege gewidmet würden und dann der zuständige Verkehrsträger (wie hier Ihre Stadt) verfahrensmäßig die Zuständigkeit für Ausbau, Unterhalt und Verkehrssicherheit als Radverkehrsweg übernähme.

Wer so etwas schreibt, scheint sich ja einer solchen Lösung nicht grundsätzlich zu verschließen.
Und genau hier müsste man ansetzen!
Dann hängt es nämlich vorwiegend am Geld und das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung wäre mit dem Auftrag der Radverkehrsförderung am Zuge hier finanzielle Hilfen in Aussicht zu stellen!
Von dieser Stelle habe ich übrigens auch nach zweiter Anfrage bisher keinerlei Rückmeldung erhalten!

Also Herr Al-Wazir, kaufen Sie doch Frau Hinz mal ein paar Waldwege ab und schenken Sie sie den Radfahrern! Die hätten es verdient!

 

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Interessenkonflikt beim Rückbau asphaltierter Forstwege – Brief an die hessischen Ministerien

Über das Verhalten von Hessen Forst bzgl. Rückbau von asphaltierten Forstwegen wurde hier berichtet.

Was die aktuellen Auswirkungen in Marburg betrifft, gibt es bereits massiven Widerstand.

Zum Beispiel:

Da es aber nur eine Frage der Zeit ist, dass in der Region der nächste Wald-(Radweg) an der Reihe ist wollte ich darauf aufmerksam machen, das hier ein gravierender Interessenkonflikt für ganz Hessen besteht. Aus den Landesverbänden des ADFC oder des VCD hört man zu dem Thema leider gar nichts. Daher habe ich einen Brief an die hessischen Ministerien geschickt.

Hier der Brief: Interessenkonflikt beim Rückbau asphaltierter Forstwege

 

Ministerien:
1. Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, (Tarek Al-Wazir)
2. Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, (Priska Hinz)

Ich bin gespannt auf die Antwort!

Fahrradrouten in Hessen werden zurückgebaut

Ausgerechnet in Zeiten, in denen inzwischen fast jeder verstanden hat, dass man den Radverkehr massiv fördern sollte, tut sich im Lande Hessen absonderliches.

Hessen Forst – als hessicher Landesbetrieb – beginnt asphaltierte Forstwege zu entsiegeln und stattdessen mit einer wassergebunden Decke (Schotter) zu versehen.

Dies ist langfristig erklärtes Ziel und betrifft aktuell eine wichtige Radroute in Marburg. Betroffen sind der Nödelweg bei Ginseldorf, die Waldtalstraße und der Hans-Helmut-Paul-Weg und damit wichtige Verbindungen der östlichen Stadtteile zu den Lahnbergen und nach Marburg.

Im Radverkehrsentwicklungsplan der Stadt Marburg sind die Waldtalstraße und der Hans-Helmut-Paul-Weg als Bestandteil des Radwegenetzes vorgesehen!

Radverkehrsentwicklungsplan Marburg - Ausschnitt
Radverkehrsentwicklungsplan Marburg – Ausschnitt

Hinweis: Bei OpenStreetMap sind die oben genannten Wege namentlich verzeichnet.

Warum tut Hessen Forst das?

Nun, als Gründe werden Oberflächenversiegelung und der Fremdstoff Bitumen genannt.

Dass die Versiegelung bei Wegen dieser Breite keine Rolle spielt, zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie des Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung und Infrastruktur des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Diese Erkenntnisse sind bei Hessen Forst offensichtlich noch nicht angekommen!

Der Asphalt als Baustoff kann in der Tat ein Problem darstellen. Problematisch wird ein vorhandener Weg aber meines Erachtens erst, wenn sich die Asphaltdecke aufgrund von Erosion auflöst. Je nach Zusammensetzung des Asphalts hat man dann eben einen Eintrag von Schadstoffen in den Waldboden. Das kann natürlich keiner wollen. Ob es sich bei der Asphaltsorte aber um eine bedenkliche (Teerhaltig oder mit erhöhtem PAK-Gehalt) handelt müsste vorher untersucht werden. Und wenn der Weg instant gehalten wird, gibt es auch keinen Eintrag von Schadstoffen.
Merkblatt Strassenaufbruch/Aspaltentsorgung (pdf)

Es ist absolut unverständlich, dass bei Forstwegen, die nachweislich dem Radverkehr dienen, ein Rückbau stattfindet.

Es liegt der Verdacht nahe, das man (Hessen Forst) die Radfahrer gar nicht im Wald haben will.

Hessen Forst beruft sich auf den eigentlichen Zweck der Forstwege. Man muss aber Tatsachen akzeptieren! Im ländlichen Raum führen Ortsverbindungen für den Radverkehr oftmals durch den Wald. Alternativen – auch Kreisstraßen – sind meist mit zu viel KFZ- und Schwerlastverkehr belastet und gefährlich!

Und auch in Marburg stellt sich Hessen Forst quer gegen die Pläne einen kleinen Radweg zu den Lahnbergen asphaltieren zu lassen. Die Begründung ist  mehr als scheinheilig:

... stellt diese Maßnahme einen gravierenden Eingriff in den Lebensraum Wald dar. Und gerade der Bereich der Lahnberge ist bereits deutlich durch infrastrukturelle Maßnahmen (Panoramastraße, verschiedene Elektro-, Gas-, Wasser-, Abwasserleitungen, Mobilfunkanlagen…) gezeichnet.

Das ist eine Frechheit! Weil man irgendwann einmal den Universitätsstandort aus Marburg vertreiben und in den Wald stecken wollte und dafür X m² asphaltierte Flächen im Wald verbaut hat (alles im Sinne des umweltschädlichen motorisierten Individualverkehr – Platz für die B3), lehnt man jetzt ein paar m² Radweg als umweltfreundliche Alternative ab?

Ich halte das für einen mittelprächtigen Skandal und kann nur hoffen, das jemand (Z. B. Tarek Al-Wazir als Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung oder Priska Hinz, Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft) ein Machtwort spricht und Hessen Forst hier zurückpfeift und ganz im Gegenteil die Ertüchtigung von Forstwegen, auf denen Radverkehr stattfindet oder stattfinden kann, sogar unterstützt.

(Alltags-)Radfahrer schaden dem Wald nicht! Wildtiere gewöhnen sich sehr gut an Radfahrer und sie werden nach einer Weile als keine größere Bedrohung wahrgenommen wie ein Fußgänger. Sportradfahrer abseits der Wege sind ein anderes Thema!

Liebe Radfahrer der Region! Welche Ihrer Wege sehen Sie von dieser radverkehrsverhindernden Maßnahme betroffen? Schreiben Sie es! Schreiben sie es hier oder den Entscheidungsträgern.

 

Quellen:

 

Hoffnung auf besseres Verkehrswetter

Kurz vor dem Ende der 2. und dem Anfang der 3. Amtsperiode des Bürgermeisters von Wetter, bringt dieser neuen Schwung in die Verkehrspolitik.
So präsentiert er im Zuge des konkurrenzlosen Bürgermeisterwahlkampfes gleich mehrere Projekte und Ideen, die geeignet erscheinen die Verkehrssituation in und um Wetter herum zu verbessern. Hoffnung auf besseres Verkehrswetter weiterlesen

Radschnellweg auf der B252 alt?

Auf der letzten Sitzung des Kreistages sprach Sandra Laaz, die Grünen-Fraktionsvorsitzende über die Radverkehrsentwicklung im Landkreis. In diesem Zusammenhang wurde laut OP-Marburg über einen möglichen Radschnellweg auf der B252 alt von Münchhausen bis ins Lahntal gesprochen.

Die Realisierung eines solchen Radweges ist durch den Neubau der Umgehungsstraße eine historische Chance und wäre ein kleiner Segen für die Radverkehrsentwicklung im Wetschaftstal, sowie touristisch sehr interessant. Zur optimalen Förderung des Alltagsradverkehrs müssen aber zwingend auch die Anbindungen der Peripherie an eine solche Hauptachse mitgedacht, mitgeplant und mitgebaut werden. Damit wirklich alle diese Infrastruktur nutzen können, muss unbedingt auf die Sicherheit an diesen Abschnitten geachtet werden! Anbindungen über schlecht ausgebaute Bergstrecken oder im Mischverkehr mit KFZ führen dazu, dass Kinder, Radfahranfänger und ältere unsicherere Radfahrer ausgesperrt werden.

Letztes Jahr habe ich mit einem Mitarbeiter von Hessen Mobil über die Möglichkeit einer Radwegführung über die B252 alt gesprochen. Nach Aussage des Mitarbeiters besteht hier folgende Schwierigkeit: Als Ausgleichsmaßnahme für den Bau der B252 neu wird die alte Straße in der Breite zurückgebaut und entsiegelt. Durch diese Maßnahme geht der Raum für einen separat geführten Radweg eigentlich verloren. (Ja, auch Radverkehrsförderung ist Naturschutz!) Hier gab es inzwischen weitere Gespräche, wie eine Anfrage an den Bürgermeister der Stadt Wetter Herrn Spanka diesbezüglich bestätigte. Mehr zum diesem Thema folgt in Kürze hier.